INNOVATION ORGANISIEREN
Organisation öffnen
Innovation verbindet internes Wissen mit externen Perspektiven. Bestehende Organisationen sichern zuverlässige Leistungen; die Suche nach Neuem braucht zusätzlich Raum, bisherige Annahmen zu hinterfragen.

Grenzen rein interner Innovation
Internes Wissen ist eine wichtige Grundlage für Innovation. Wird ausschließlich innerhalb der Organisation nach Neuem gesucht, können jedoch blinde Flecken entstehen. Bestehende Erfahrungen, Interessen und Routinen beeinflussen, welche Fragen gestellt und welche Lösungen verfolgt werden.
Wähle einen Punkt, um seine Folgen und mögliche Ansatzpunkte zu erkunden.
01 · Betriebsblindheit
Das Bekannte bestimmt den Blick
Wer täglich mit denselben Produkten und Prozessen arbeitet, nimmt deren Grenzen häufig als selbstverständlich hin. Probleme werden innerhalb des vertrauten Rahmens gelöst; der Rahmen selbst wird selten hinterfragt.
Folge: Bestehende Lösungen werden verbessert, während grundlegend andere Möglichkeiten unentdeckt bleiben.
Ansatzpunkt: Kunden und Anwender beobachten, andere Branchen betrachten und vermeintliche Selbstverständlichkeiten ausdrücklich hinterfragen.
Welche Annahmen halten wir für gegeben, obwohl sie veränderbar sind?
02 · Not-Invented-Here
Die Herkunft beeinflusst die Bewertung
Externe Ideen werden mitunter skeptischer beurteilt, weil sie nicht im eigenen Unternehmen oder im eigenen Bereich entstanden sind. Die Herkunft einer Idee erhält dadurch mehr Gewicht als ihr möglicher Nutzen.
Folge: Wertvolle Erkenntnisse, Technologien und Lösungsansätze werden übersehen oder unnötig selbst entwickelt.
Ansatzpunkt: Interne und externe Vorschläge nach denselben Kriterien bewerten und ihren Nutzen durch kleine Versuche prüfen.
Würden wir diese Idee anders beurteilen, wenn sie von uns selbst käme?
03 · Bestandsschutz
Bestehende Interessen begrenzen Neues
Neue Lösungen können etablierte Produkte, Einnahmequellen, Zuständigkeiten oder Kompetenzen infrage stellen. Widerstand entsteht deshalb nicht immer aus fachlichen Einwänden, sondern auch aus der Sorge, Einfluss oder Sicherheit zu verlieren.
Folge: Vorhaben werden bevorzugt, die zum Bestehenden passen. Innovationen mit größerem Veränderungspotenzial erhalten weniger Unterstützung.
Ansatzpunkt: Zielkonflikte offenlegen, betroffene Bereiche früh beteiligen und den Umgang mit Veränderungen mitplanen.
Was spricht sachlich gegen das Vorhaben – und welche bestehenden Interessen berührt es?
04 · Funktionale Silos
Perspektiven bleiben getrennt
Einzelne Bereiche betrachten Innovation aus ihrer jeweiligen Aufgabe heraus. Technik achtet auf Machbarkeit, Vertrieb auf Absatz, Controlling auf Wirtschaftlichkeit und der operative Betrieb auf zuverlässige Abläufe. Schwierigkeiten entstehen, wenn diese Perspektiven erst spät zusammenkommen.
Folge: Lösungen überzeugen einen Bereich, scheitern jedoch an Anforderungen anderer Beteiligter oder an der späteren Anwendung.
Ansatzpunkt: Interdisziplinär arbeiten, gemeinsame Ziele vereinbaren und Anwender sowie Umsetzungsverantwortliche früh einbeziehen.
Welche Perspektive fehlt uns für eine tragfähige Entscheidung?
05 · Elfenbeinturm
Konzepte verlieren den Kontakt zur Wirklichkeit
Auch ein internes Innovationsteam kann sich abschotten. Es entwickelt dann Ideen auf Grundlage eigener Vorstellungen, ohne Bedürfnisse, Arbeitsbedingungen und Nutzung ausreichend zu untersuchen. Freiraum wird problematisch, wenn die Verbindung zur Praxis verloren geht.
Folge: Konzepte wirken überzeugend, schaffen im Alltag aber zu wenig Nutzen oder stoßen auf geringe Akzeptanz.
Ansatzpunkt: Regelmäßige Gespräche, Beobachtungen und Tests mit Kunden, Anwendern und operativen Bereichen einplanen.
Was haben wir tatsächlich beobachtet – und was nehmen wir bisher nur an?
06 · Pfadabhängigkeit
Frühere Entscheidungen prägen die Zukunft
Vorhandene Technologien, Investitionen, Kompetenzen und Prozesse machen bestimmte Entwicklungsschritte naheliegend. Andere Wege erscheinen aufwendig, weil sie neue Fähigkeiten oder Veränderungen an bestehenden Strukturen verlangen.
Folge: Die Organisation verfolgt vertraute Wege weiter, obwohl sich die Bedingungen oder Bedürfnisse verändert haben.
Ansatzpunkt: Mehrere Lösungswege untersuchen und unterscheiden, welche Grenzen zwingend sind und welche aus früheren Entscheidungen entstehen.
Würden wir diesen Weg auch wählen, wenn wir heute neu beginnen könnten?
07 · Tagesgeschäft und Erfolgsmaßstäbe
Neues muss zu früh funktionieren
Das Tagesgeschäft verlangt verlässliche Ergebnisse, Effizienz und planbare Kosten. Innovationsarbeit beginnt dagegen häufig mit offenen Fragen. Werden frühe Vorhaben ausschließlich an kurzfristigem Umsatz oder sicherer Rendite gemessen, bleibt wenig Raum für Lernen und Experimente.
Folge: Leicht berechenbare Verbesserungen verdrängen unsichere Vorhaben mit möglicherweise größerem Potenzial.
Ansatzpunkt: Zeit und Ressourcen verbindlich bereitstellen. In frühen Phasen den Erkenntnisgewinn und die Prüfung wichtiger Annahmen bewerten; mit wachsender Reife stärker auf Umsetzung und wirtschaftliche Ergebnisse achten.
Welchen Nachweis brauchen wir in dieser Phase, um sinnvoll weiterzuarbeiten?
Kontakt zur Wirklichkeit halten
Ein abgeschottetes Innovationsteam kann sich zum Elfenbeinturm entwickeln: Seine Lösungen beruhen dann auf internen Annahmen statt auf beobachteten Bedürfnissen. Kunden, operative Bereiche und spätere Anwender sollten deshalb früh und wiederholt einbezogen werden.
Gezielt nach außen öffnen
Die Öffnung nach außen sollte von einer konkreten Frage ausgehen: Fehlt Wissen, brauchen wir die Mitwirkung von Nutzern oder ergänzende Fähigkeiten für die Umsetzung? Je nach Aufgabe eignen sich unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit.
Die folgenden Ansätze können sich überschneiden. Wähle einen Punkt, um Nutzen, Vorgehen und Leitfrage zu erkunden.
01 · Open Innovation
Open Innovation – Wissen über Organisationsgrenzen hinweg nutzen
Nutzen: Fehlendes Wissen erschließen, Entwicklungswege erweitern und zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten für eigene Fähigkeiten finden.
Vorgehen: Zuerst die offene Wissensfrage benennen. Dann geeignete externe Quellen oder Partner auswählen, Beiträge und Nutzungsrechte klären und den Nutzen durch überschaubare Versuche prüfen.
Darauf achten: Eine Öffnung braucht klare Ziele und Regeln für vertrauliches Wissen, geistiges Eigentum und die Nutzung der Ergebnisse.
Welches Wissen fehlt uns – und welches eigene Wissen könnte außerhalb unserer Organisation zusätzlichen Nutzen schaffen?
02 · Co-Creation
Co-Creation – mit Nutzern gemeinsam gestalten
Nutzen: Bedürfnisse besser verstehen, alltagstaugliche Lösungen entwickeln und die spätere Akzeptanz unterstützen.
Vorgehen: Passende Beteiligte auswählen, eine konkrete Gestaltungsfrage formulieren und gemeinsam erste Entwürfe entwickeln. Die Ergebnisse anschließend auch mit weiteren Nutzern prüfen.
Darauf achten: Einzelne Teilnehmer vertreten nicht automatisch die gesamte Zielgruppe. Erwartungen, Beteiligungsmöglichkeiten und der Umgang mit Beiträgen sollten transparent sein.
Was sollten wir mit den späteren Nutzern gemeinsam gestalten, statt es nur für sie zu entwickeln?
03 · Co-Innovation
Komplementäre Kompetenzen verbinden
Co-Innovation bezeichnet die gemeinsame Entwicklung einer Innovation durch mehrere Partner. Sie verbinden unterschiedliche Kompetenzen, Technologien, Ressourcen oder Zugänge und übernehmen abgestimmte Beiträge zur Entwicklung und Umsetzung.
Nutzen: Vorhaben ermöglichen, die ein einzelner Partner allein nur schwer oder gar nicht realisieren könnte.
Vorgehen: Benötigte Fähigkeiten und passende Partner bestimmen. Ein gemeinsames Ziel, Arbeitspakete, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege vereinbaren. Ergebnisse in kurzen Abständen gemeinsam prüfen.
Darauf achten: Unterschiedliche Interessen, Arbeitsweisen und Abhängigkeiten müssen berücksichtigt werden. Beiträge, Kosten, Nutzungsrechte und die Verwertung der Ergebnisse früh klären.
Welche Fähigkeiten ergänzen unsere eigenen – und welchen gemeinsamen Nutzen können wir schaffen?
04 · Coopetition
Coopetition – für abgegrenzte Aufgaben mit Wettbewerbern kooperieren
Nutzen: Gemeinsame Grundlagen schaffen, Entwicklungsaufwand teilen und Herausforderungen bearbeiten, die mehrere Marktteilnehmer betreffen.
Vorgehen: Das gemeinsame Problem und die Grenzen der Zusammenarbeit präzise bestimmen. Unabhängige Wettbewerbsentscheidungen erhalten und vor Beginn rechtlich prüfen lassen, welche Informationen und Aktivitäten zulässig sind.
Darauf achten: Die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern erfordert besondere Sorgfalt beim Informationsaustausch und eine kartellrechtliche Prüfung des konkreten Vorhabens.
Welche gemeinsame Aufgabe lässt sich bearbeiten, während die Partner im Markt unabhängig bleiben?
So gehst du vor
- Offene Wissens- und Kompetenzlücken benennen.
- Geeignete Kunden, Partner oder Fachleute auswählen.
- Ziele, Beiträge, Entscheidungswege und Umgang mit Ergebnissen vereinbaren.
- Erkenntnisse gemeinsam prüfen und in die Organisation zurückführen.